Microlearning · Modul 1 von 3 · Isolierung

Isolieren ist nicht sichern

Die Leuchte brennt, und der Fehler ist noch da.

In der Maschinen- und Anlagensicherheit trennt Lockout/Tagout Energie, damit ein Mensch sicher arbeiten kann; bei der Bahn ist der Begriff nicht üblich. Ein Isolierschalter im Betrieb schaltet eine Schutzfunktion ab, damit der Zug wieder fahren kann. Dieses Modul zeigt am Fall Styal, was daraus für Freigabe, Meldung, Prüfung und Information folgt.

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  • 4 Fragen mit Rückmeldung
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Worum es geht

Bei einer Störung isoliert ein Triebfahrzeugführer zwei Sicherheitssysteme, darunter die Türverriegelung. Nach diesem Modul können Sie anhand des Falls:

  • die Wirkrichtung einer Isolierung im Betrieb von der Wirkrichtung von Lockout/Tagout unterscheiden,
  • den Elementen von Lockout/Tagout die Regeln für eine Isolierung bei Northern zuordnen,
  • benennen, welche Schutzfunktion nach dem Isolieren des TIS noch wirkte und welche nicht,
  • die Informationen auswählen, die vor der Freigabe einer Isolierung bekannt sein müssen.

Nach jeder Stimme folgt eine Frage, am Ende eine Anwendungsaufgabe. Bei einer richtigen Antwort erhalten Sie eine Vertiefung. Bei einer falschen Antwort zeigt ein Hinweis, wo die Antwort in der Case Note steht, und Sie haben einen zweiten Versuch; danach erscheint die Lösung mit Begründung.

Die drei Personen sind erfundene Rollen bei einem anderen Betreiber und bei einem Fahrzeughersteller, keine Beteiligten des Falls. Sie sprechen über das, was der Bericht schildert; ihre Sicht ist meine Deutung.

Die Szene

  • Leitstelle des Betreibers (Instandhaltung und diensthabende Leitung)
  • Fahrdienstleiter
  • Isolierschalter EBS (Bremskreis) und TIS (Traktionssperre), senkrecht in Grundstellung
  • Leuchte „Sicherheitssysteme isoliert“
  • Anzeige der Türverriegelung am Führerpult
  • Vorderer Führerstand
  • Hinterer Führerstand
  • Türen auf der Bahnsteigseite
  • Triebfahrzeugführer
  • Zugbegleiter

Styal, 3. Mai 2023, nach 15:09 Uhr. Die Bremsen des Zugs lösen sich nicht. Die Instandhaltungsleitstelle führt den Triebfahrzeugführer am Telefon nach einem Ablaufdiagramm durch die Fehlersuche.

Er betätigt den Isolierschalter EBS, ohne Wirkung. Für den TIS, den das Diagramm nicht nennt, holt die Leitstelle in einem kurzen Nebengespräch die mündliche Freigabe der diensthabenden Leitung ein. Mit dem TIS ist die Türverriegelung außer Kraft, die Leuchte „Sicherheitssysteme isoliert“ brennt, und die Bremsen lösen sich weiter nicht.

Den ganzen Fall in Kürze finden Sie in der Übersicht der Module. Die Zeichnung zeigt den Zustand nach dem Isolieren.

Was Isolieren hier bedeutet

Technische Redakteurin bei einem Fahrzeughersteller erfundene Rolle, Gedankenexperiment

„Isolieren“ klingt nach Schutz. Am Fahrzeug im Betrieb bedeutet es das Gegenteil: Der Schalter nimmt eine Schutzfunktion weg, damit der Zug trotz Störung fahren kann. Der Mensch ist danach nicht besser geschützt, sondern schlechter. Wenn ich einen Isolierschalter beschreibe, muss diese Richtung am Anfang stehen, nicht in einer Fußnote.

Der Bericht gibt die Herstellerinformation nicht wieder. Diese Stimme zeigt, wie die Case Note die Rolle der Herstellerinformation liest.

Frage 1 von 4

Was unterscheidet das Isolieren des TIS im Betrieb von Lockout/Tagout?

Das ist nicht korrekt. Lesen Sie in der Case Note im Abschnitt „Lockout/Tagout heißt bei der Bahn anders“ den Absatz „Der entscheidende Unterschied“. Versuchen Sie es dann erneut.

Lösung und Erläuterung

Lösung: b. Beide wirken in entgegengesetzte Richtungen.

Lockout/Tagout schützt den Menschen an der Maschine. Die Isolierung im Betrieb nimmt eine Schutzfunktion weg, damit der Zug fahren kann. Schloss und Anhänger gibt es dabei nicht; ihre Aufgabe übernehmen Freigabe, Meldung, Prüfung und Rücknahme. Information zu einem Isolierschalter muss diese Richtung benennen, sonst wird er wie eine Sicherung gelesen.

Regeln statt Schloss und Anhänger

Mitarbeiter einer Instandhaltungsleitstelle bei einem anderen Betreiber, erfundene Rolle

Am Telefon ist eine Isolierung schnell ausgesprochen. In Styal kam die Freigabe für den TIS in einem kurzen Nebengespräch zustande, während das Gespräch mit dem Triebfahrzeugführer weiterlief. Ein Formular B wurde nicht ausgefüllt, Fahrdienstleiter und Zugbegleiter erfuhren nichts. Die Regeln gab es. Sie greifen aber nur, wenn jeder Schritt als eigener Schritt geschieht.

Frage 2 von 4

Ordnen Sie jeder Regel für eine Isolierung bei Northern das Element von Lockout/Tagout zu, dessen Aufgabe sie übernimmt.

  • Die Leuchte „Sicherheitssysteme isoliert“, Formular B und die Meldung an Fahrdienstleiter und Zugbegleiter
  • Isoliert wird nur mit ausdrücklicher Freigabe der diensthabenden Leitung.
  • Bis zur Rücksetzung fährt der Zug nur auf Anweisung des Fahrdienstleiters.
  • Nach jeder Türfreigabe prüft der Zugbegleiter alle Türen auf beiden Seiten neu.
  • Zurücksetzen können nur Depot oder technischer Inspektor.

Zur Auswahl:

  • Freigabe
  • Schloss
  • Anhänger
  • Prüfung
  • Rücknahme

Das ist nicht korrekt; mindestens eine Zuordnung stimmt nicht. Die Tabelle im Abschnitt „Lockout/Tagout heißt bei der Bahn anders“ stellt beide Seiten nebeneinander. Versuchen Sie es dann erneut.

Lösung und Erläuterung

Lösung: Freigabe – ausdrückliche Freigabe der diensthabenden Leitung; Schloss – Rücksetzen nur durch Depot oder technischen Inspektor; Anhänger – Leuchte, Formular B und Meldung; Prüfung – neue Türprüfung nach jeder Türfreigabe; Rücknahme – Fahrt nur auf Anweisung bis zur Rücksetzung.

Bei einer Isolierung übernehmen Regeln die Aufgabe von Schloss und Anhänger, und Regeln wirken nur, wenn sie befolgt werden. In Styal brannte die Leuchte. Formular B, Meldung, neue Prüfung und Anweisung fehlten.

Was danach noch schützt

Triebfahrzeugführerin bei einem anderen Betreiber, erfundene Rolle

Normalerweise ist der TIS der letzte Schritt, danach fährt der Zug. In Styal lösten sich die Bremsen trotzdem nicht, und die Isolierung blieb wirksam, denn zurücksetzen konnten nur Depot oder technischer Inspektor. Ab diesem Moment schützt nur noch das Verfahren. Und ich muss wissen, was an Technik noch wirkt und was nicht.

Frage 3 von 4

Der TIS ist isoliert. Welche Schutzfunktion wirkte in Styal danach noch?

Das ist nicht korrekt. Lesen Sie in der Case Note den Schritt „Die letzte Sicherung“ und versuchen Sie es erneut.

Lösung und Erläuterung

Lösung: b. Das Geschwindigkeitsrelais wirkte auch bei isoliertem TIS.

Die Türverriegelung war mit dem TIS außer Kraft; der Zug konnte mit offenen Türen anfahren. Das Relais schloss die Türen erst während der Fahrt. Wer eine Isolierung freigibt, muss wissen, welche Schutzfunktionen danach noch wirken und welche nicht. Das gehört in die Herstellerinformation, in die Anweisungen der Leitstelle und in die Schulung.

Vor der Freigabe

Diese Aufgabe verbindet die drei Stimmen. Stellen Sie sich vor, Sie überarbeiten die Information, mit der eine Leitstelle über die Isolierung des TIS entscheidet.

Frage 4 von 4

Was muss die Leitstelle wissen, bevor sie die Isolierung freigibt? Wählen Sie alle zutreffenden aus.

Das ist nicht korrekt; mindestens eine Auswahl stimmt nicht. Lesen Sie in der Case Note die Schwachstelle „Eine Isolierung, die nichts bewirkt“ und versuchen Sie es erneut.

Lösung und Erläuterung

Lösung: a, b und d. Die Leuchte ersetzt keine Meldung.

Die Leuchte zeigt nur im Führerstand, dass etwas isoliert ist. Fahrdienstleiter und Zugbegleiter erfahren es nur durch die Meldung. In Styal fehlte die übrige Information: Das Ablaufdiagramm nannte den TIS nicht und sagte nichts darüber, was nach einer Isolierung gilt.

Übertragen auf Ihre Dokumentation

Denken Sie an ein Produkt aus Ihrer Dokumentation, dessen Schutzfunktionen sich bei einer Störung abschalten, überbrücken oder isolieren lassen.

Prüfen Sie die Information zu dieser Funktion mit den Fragen aus der Case Note:

  • Welche Schutzfunktionen schaltet der Schalter ab, und welche bleiben wirksam?
  • Steht am Anfang, dass die Funktion danach nicht mehr schützt?
  • Wer gibt eine Isolierung frei, wer muss davon erfahren, und wie wird das bestätigt?
  • Wer darf zurücksetzen, und was gilt bis dahin?

Das Wichtigste in drei Sätzen

  1. Eine Isolierung im Betrieb wirkt in die Gegenrichtung von Lockout/Tagout: Sie nimmt eine Schutzfunktion weg, damit der Zug fahren kann.
  2. Schloss und Anhänger gibt es dabei nicht. Freigabe, Meldung, Prüfung und Rücknahme müssen ihre Aufgabe übernehmen.
  3. Wer eine Isolierung freigibt, muss wissen, was danach noch schützt und was gilt, wenn sie den Fehler nicht behebt.

Grundlage und Quelle

Das Microlearning ersetzt keine Unterweisung. Verfahren, Unterweisung und Aufsicht im Bahnbetrieb liegen beim Betreiber.

Quelle

Bericht 07/2024 der britischen Rail Accident Investigation Branch (RAIB), „Unsafe movement of a train at Styal station, 3 May 2023“, wiedergegeben in der Case Note „Fünf offene Türen“. Rollen, Zitate und Zeichnungen sind meine eigenen. Wie die Serie aufgebaut ist, steht in der Übersicht der Module.